ArcelorMittal verhandelt zukünftig quartalsweise über Stahlpreis

17. Mai 2010 | von Steffen (bereits 2355 mal gelesen)

uf der Hauptversammlung des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal verkündete der Großaktionär und Vorstandsvorsitzende Lakshmi Mittal, dass der Konzern zukünftig den Preis für Stahl quartalsweise mit den Kunden verhandeln wird.

Auf der Hauptversammlung des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal verkündete der Großaktionär und Vorstandsvorsitzende Lakshmi Mittal, dass der Konzern zukünftig den Preis für Stahl quartalsweise mit den Kunden verhandeln wird. Bis jetzt wurden ca. 20% des Verkaufsvolumens über Jahresverträge abgesetzt.  Die immer kurzfristigere Festsetzung des Stahlpreises ist eine Reaktion auf die letzte Verhandlungsrunde der Stahlkonzerne mit der Rohstoffindustrie. Hier wurden ebenfalls die Laufzeiten der Verträge von einem Jahr auf maximal 3 Monate herabgesetzt. ArcelorMittal war bereits vor der Stahlkrise derjenige Stahlkonzern, der einen relativen großen Anteil seiner Produktion über den volatilen Spotmarkt und nicht über langfristige Lieferverträge abgesetzt hat.

In letzter Zeit hat Lakshmi Mittal schon des Öfteren Pionierarbeit in der Stahlindustrie geleistet. So war ArcelorMittal der erste Konzern, welcher mit einer sehr großen Konsequenz und Energie die Produktion zu Beginn der Finanzkrise heruntergefahren hat, um den fallenden Stahlpreis zu stützen. Es ist anzunehmen, dass auch dieser Vorstoß wieder eine Leitfunktion innerhalb der Stahlindustrie einnehmen wird.

Für die Kunden der Stahlindustrie bedeutet dies, dass Hedging und ein ausgeklügeltes Beschaffungsmanagement an Bedeutung gewinnen. Bei Großaufträgen wie z.B. im Anlagenbau müssen die Kosten für den Stahl gesondert ausgewiesen werden, um den Preis für das gesamte Projekt flexibel an die aktuellen Beschaffungskosten anzupassen. Hier muss der Auftraggeber für eine Absicherung seiner Kosten sorgen. Ist es nicht möglich einen variablen Preis für das Endprodukt mit gesonderten Stahlaufschlägen zu bestimmen, wie dies z.B. in der Automobilindustrie der Fall ist, so wird durch gezieltes Hedging an den Finanzmärken die Planungssicherheit erhöht. Da Stahl bzw. einzelne Qualitäten nicht börsennotiert sind, ist eine Absicherung der Einkaufspreise in diesem Fall deutlich komplexer als z.B. sich gegen einzelne Währungsschwankungen abzusichern. Eine Möglichkeit bestünde in der Ausnützung der großen Korrelation zwischen Stahlpreis und den Preisen für Kokskohle und Eisenerz. Im Gegensatz zu Stahl sind diese Güter an den internationalen Finanzmärkten gelistet und eine Vielzahl von Finanzderivaten ermöglicht es selbst im kleinen Rahmen sich gegen steigende Stahlpreise abzusichern. Auch wenn Finanzderivate in Verruf geraten sind, so sollte angesichts immer volatilerer Stahlpreise über deren Einsatz nachgedacht werden.

Sicher ist, dass der Beschaffung bei einer Zunahme der Volatilität der Stahlpreise eine immer wichtigere Rolle zukommt.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel über das Risikomanagement im Stahleinkauf: Risikomanagement – Stahlmarkt muß mit stärkeren Preisschwankungen umgehen lernen

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