Stabile Entwicklung auf solidem Niveau
Pressegespräch der Wirtschaftsvereinigung Stahl auf der Hannover Messe.
Die Stahlkonjunktur hat sich seit Jahresbeginn stabilisiert. Nach dem starken Abbau im vierten Quartal 2011 sind die Lagerbestände zu Jahresbeginn wieder aufgefüllt. „Angesichts der robusten Verfassung der Stahlverarbeiter in Deutschland gehen wir unverändert davon aus, dass sich die Rohstahlproduktion 2012 mit 44,0 Millionen Tonnen in etwa auf Vorjahreshöhe bewegen wird“, so Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in Hannover. „2012 dürfte die Stahlkonjunktur weniger volatil sein als 2011. Dazu trägt auch eine ruhigere Entwicklung auf den Rohstoffmärkten bei, wenn auch die Preise nach wie vor auf einem hohen Niveau liegen. Ungeachtet dessen bleibt der Blick nach vorne mit Unsicherheiten verbunden.“
Die Rohstahlproduktion legte im ersten Quartal 2012 um 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 10,9 Millionen Tonnen zu. Vor dem Hintergrund der zuversichtlichen Prognose der führenden wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute (Gemeinschaftsdiagnose) bleibt die Wirtschaftsvereinigung Stahl bei ihrer Schätzung einer Rohstahlproduktion von 44 Millionen Tonnen für das Jahr 2012. Zwar wird die Rohstahlproduktion im ersten Halbjahr voraussichtlich niedriger auskommen als im Vorjahreszeitraum. Dieser Rückstand dürfte aber im weiteren Verlauf aufgeholt werden, da zum jetzigen Zeitpunkt ein ähnlich starker Rückgang wie in der zweiten Jahreshälfte 2011 unwahrscheinlich ist. Hierzu trägt bei, dass es im ersten Quartal 2012 – anders als im Vorjahr – keine Anzeichen für vorgezogene Käufe gegeben hat und sich Angebot und Nachfrage auf dem Markt im Gleichgewicht befinden.
Auch auf den internationalen Stahlmärkten sieht Kerkhoff Erholung: „Wir erwarten in diesem Jahr einen Zuwachs der globalen Rohstahlproduktion von 4 Prozent auf 1,58 Milliarden Tonnen. In den ersten drei Monaten 2012 hat sich die Erzeugung weltweit um 1 Prozent zum Vorjahreszeitraum erhöht. Unsere Prognose ist also mit der Erwartung einer moderat anziehenden weltweiten Stahlkonjunktur verbunden. Träger des Wachstums auf den Stahlmärkten bleiben die Schwellenländer.“
In China verlangsamt sich die Aufwärtsentwicklung auf dem Stahlmarkt. In diesem und im nächsten Jahr dürften die Überkapazitäten auf dem hohen Niveau der vergangenen drei Jahre von knapp 200 Millionen Tonnen bleiben. „Volatile und hohe Stahlexporte bleiben damit ein Risiko für die Stahlmärkte in der EU“, so Kerkhoff.
Von zentraler Bedeutung für die europäische Stahlindustrie sind die Pläne der EUKommission zur Verknappung von Zertifikaten. Für einen Eingriff in das System des Emissionshandels, um den Preis für CO2-Zertifikate hochzuhalten, sieht die Stahlindustrie in Deutschland keinen Grund: „Schon jetzt steht fest, dass der Preis ab 2013 erheblich steigen wird, da dann die Zahl der Zertifikate deutlich reduziert wird.“ Auch ohne eine weitere Verknappung der Zertifikate kommen auf die Stahlindustrie in Deutschland ab 2013 Zusatzkosten in dreistelliger Millionenhöhe zu, wie Kerkhoff vorrechnet. „Denn die Richtwerte, nach denen die Zuteilung erfolgt, sind aus technischen Gründen weltweit von keinem Stahlunternehmen zu erreichen. Wenn die Zertifikate nun weiter verknappt werden, erhöhen sich sowohl diese direkten Belastungen als auch die Strompreise.“
Auch bei den Plänen der EU-Kommission, Energieversorger auf eine 1,5-prozentige Energieeinsparung ihrer Kunden zu verpflichten, fordert der Stahlverband eine Politik mit Augenmaß und warnt – mit Blick auf den Emissionshandel – vor einer Doppelregulierung: „Seit 1960 senkten die Stahlunternehmen in Deutschland den spezifischen Primärenergieverbrauch um rund 40 Prozent. Deshalb sind die großen Einsparpotenziale weitgehend ausgeschöpft, weitere Bemühungen stoßen an naturwissenschaftliche, verfahrenstechnische und wirtschaftliche Grenzen. Die Unternehmen, die in der Vergangenheit ihre Effizienz erhöht haben, würden nun mit einer Politik unrealistischer Grenzwerte für ihre Vorleistungen bestraft.“
Quelle: stahl-online.de


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